Sabine Jontofsohn ★ Anruf/whatsapp:  +491769913 9425  ★ Wilhelm-Busch-Str.41 ★ 60431 Frankfurt

Paartherapie, Mediation und Psychotherapie

 
Seit der Ankunft befinde ich mich in einem Niemandsland, wo die alten Spielregeln nicht mehr gelten, aber die neuen noch unbekannt sind. Ich kann mich auflösen oder neu erfinden. Anke Richter

 

 

Online Beratung via Videokonferenz möglich!

 

Wir gestalten unsere Partnerschaften nach sozio-kulturellen Mustern. Das heißt, was wir für richtig und was für falsch halten, was noch toleriert werden kann, und was "nicht mehr normal" ist, ist stark bestimmt von unserem Umfeld, in dem wir leben. Auch in unserer Herkunftsfamilie haben wir eine Vorstellung entwickelt über Fragen wie:

Wer bestimmt über was? Wieviel Zeit verbringen wir gemeinsam? Wie erziehen wir die Kinder? Welche Rolle spielt Religion? Wie wird ein Haushalt geführt? Wieviel Ordnung gehört sich?

 

Wenn wir Kultur ignorieren, fallen Flugzeuge vom Himmel.

 

Dieser Ausspruch von Malcom Gladwell hat einen sehr realen Hintergrund: In den 80er und 90er Jahren gab es bei der Fluggesellschaft Korean Air mehr als 10 mal soviele Abstürze, wie bei anderen Fluggesellschaften. Wie sich herausstellte, lag dies an der starken Hierarchie zwischen Pilot und Erstem  Offizier, die es unmöglich machte, dass der Rangniedrigere im Notfall die Führung erfgriff. Erst als die neue Geschäftsleitung dem Problem die nötige Aufmerksamkeit schenkte und einen Berater bestellte, der die Ursache als Kulturproblem identifizierte und einen Plan erarbeitete, konnte die Absturzquote wieder an das internationale Niveau angeglichen werden.

Kulturunterschiede sind nicht nur durch nationale Grenzen definiert. So beobachtete der Soziologe John Shelton Reed, dass zum Besipiel im Südosten der USA, im Vergleich zu den Nordstaaten, ein völlig anderes Kriminalitätsmuster vorherrscht. Hier überwiegen Morde mit persönlichen Hintergründen, Eigentumsdelikte wie Raub und Diebstahl gibt es dagegen weniger. Das Motiv für die Gewalt ist also nicht die eigene Bereicherung sondern es geht um die Ehre. Diese Kultur der Ehre führt er zurück auf die Herkunft der Einwanderer im 18. Jahrhundert, die als arme Hirten aus den kargen Bergregionen in Südschottland und Nordirland kamen. Die eigene Familie oder Clan wurde über alles gestellt, das Ansehen eines Mannes war die Grundlage seines Lebensunterhalts und seines Selbstwertgefühls. Der Süden der schottischen Highlands war zudem umkämpftes Grenzland ohne staatliche Ordnung. In dieser rauhen und gefährlichen Umwelt sicherte diese Kultur das Überleben. Diese Art der Kultur wird eindrücklich in der Serie "Yellowstone" dargestellt, aber auch in anderen Epen des "Wilden Westens". Obwohl der amerikanische Südosten mittlerweile keine gesetzlose Gegend mehr ist, hat sich das Muster der "Kultur der Ehre" erhalten. In einem Experiment setzten Psychologen Studenten der Michigan Universität Beleidigungen aus, um zu erfahren, wie stark deren Cortisol - und Testosteron Spiegel anstieg - tatsächlich reagierten die Südstaatler viel heftiger als die Nordstaatler. (Dov Cohen und Richard Nisbett, The Culture of Honor) Obwohl die Studenten aus gutsituierten Familien stammten und ihre Eltern weder Hirten noch Hinterwäldler, waren die Verhaltensmuster der Pioniere auch nach hunderten von Jahren noch beobachtbar. Unser kulturelles Erbe ist so zentral, dass unsere Einstellungen, unser Verhalten und unsere emotionalen Muster davon geprägt sind. Kultur wird von einer Generation an die nächste weitergegeben, ebenso wie Sprache oder ein Dialekt. Genausowenig wie Sprache ist sie angeboren und kann mit etwas Arbeit verändert werden.

 

Kultur bewusst machen

Für Binationale ist offensichtlicher, dass Wahrnehmung und Wertesystem, die eigene und die des anderen, bewusst gemacht werden muss, um Missverständnisse zu vermeiden. Kulturelle Identität sollte kein Tabu sein und auch kein Grund, zu verzweifeln - denn sie ist kein unveränderbarer Bestandteil unserer Persönlichkeit. Man kann seine Herkunft würdigend anerkennen und sich mit denjenigen Aspekten auseinandersetzen, die nicht zu einer funktionalen Partnerschaft passen. Dann ist Veränderung möglich: Die Korean Air konnte schließlich durch umfassende Schulungsmaßnahmen das Problem in den Griff bekommen.

 

Grenzen des Systems

 

Nationale Grenzen behindern binationale Paare noch auf andere Weise, jenseits von kulturellen Unterschieden.

Spätestens hier wird deutich, dass das Zusammenleben keineswegs nur von privaten Lebensentwürfen Einzelner abhängt: Man hatte sich vorgestellt, gleichberechtigt den Lebensunterhalt zu bestreiten, doch nun wird beispielsweise der Studienabschluss des ausländischen Partners nicht anerkannt.

Auch der Aufenthaltstitel kann ein Problem darstellen: Ist er an die Ehe geknüpft, entsteht eine einseitige Abhängigkeit eines Partners vom anderen.

Ebenso politische Wechselfälle spielen eine Rolle. Je nach dem, wie die Beziehung Deutschlands zum Herkunftsland eines Partners aussieht, wirkt sich dies auf die Lebensumstände des Paares mit aus. (Hierzu gehören: Aufenthaltsgesetz, Abkommen zur Anerkennung von Berufsabschlüssen, Zugang zum Arbeitsmarkt, Vorurteile in Bezug auf Religion oder Herkunft)

 

Migration ist anregend und anstrengend zugleich.

 

Paarberatung und Kommunikationstraining: Den Übergang schaffen

 

Wenn einer der Partner aus einem sogenannten Drittland kommt, müssen binationale Paare einen Hürdenlauf durch die Instanzen überstehen, um sich ein gemeinsames Leben in Deutschland zu ermöglichen. Ist dies geschafft, beginnt eine schwierige Phase des Übergangs. Eine Balance im Miteinander muss sich erst einpendeln, ebenso gilt es, sich einen akzeptierten Platz im Umfeld zu schaffen. Wenn in dieser frühen Phase die Weichen für eine konstruktive Kommunikation gestellt werden, können später auftauchende Probleme und Stressoren besser bewältigt werden.

 

Begleitung und Beratung: Heiraten?

 

Binationale Paare sind aus aufenthaltsrechtlichen Gründen oft gezwungen, schneller eine hohe Verbindlichkeit der Beziehung einzugehen, als es dem Rythmus der Beziehung entspricht. Es ist sinnvoll, vorher mit dem Partner zu reflektieren, was das gemeinsame Leben in Zukunft für den einzelnen mit sich bringt:

  • welche Erwartungen knüpfen die PartnerInnen an die Beziehung?
  • welche Sehnsüchte und Ziele gibt es?
  • Schon jetzt, wenn die guten Gefühle überwiegen, kann es hilfreich sein, sich Strategien anzueignen, wie man mit starken negativen Gefühlen umgeht
  • wie man miteinander freundlich sprechen kann, auch wenn es eine stressige Phase ist

Die Paarberatung kann in deutscher, englischer oder spanischer Sprache stattfinden.

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